Bitte nicht schreien!
Tipps für Gespräche bei Hörminderung.
(fgh) Wenn wir etwas erzählen, möchten wir, dass unser Gesprächspartner aufmerksam zuhört. Er soll „ganz Ohr“ sein, denn sonst wird er unsere Worte kaum richtig verstehen. Aber tatsächlich ist Kommunikation manchmal gar nicht so einfach – und das kann unterschiedliche Gründe haben.
Wir kennen das alle: Sobald mehrere Menschen zusammentreffen, wird plötzlich nicht nur mit-, sondern auch durcheinander gesprochen. In Kombination mit Hintergrundgeräuschen wie Straßenverkehr, Musik, einem laufenden Fernseher, Baustellenkrach oder dem Lärm einer Kneipe wird Kommunikation sehr schwierig. Doch für etwa 15 Millionen Deutsche kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Sie leiden unter einer Hörminderung und schlechte Außenbedingungen machen es noch komplizierter, etwas zu verstehen.
Tipps für Gespräche bei Hörminderung
Wenn Ihr Gegenüber Hörprobleme hat, sollten Sie Folgendes berücksichtigen:
- Bitte nicht schreien! Das hilft nicht – es schadet eher. Denn viele Menschen, die leises Sprechen nicht verstehen, sind zugleich bei großen Lautstärken besonders empfindlich. Dieses scheinbar widersprüchliche Hörempfinden wird durch eine Schädigung der Haarzellen im Innenohr ausgelöst. Deshalb: deutlich, aber in normaler Lautstärke sprechen.
- Nicht von hinten ansprechen. Man erschreckt den anderen nur unnötig. Verstanden wird man so ohnehin kaum.
- Auch bei mehrmaligem Wiederholen geduldig bleiben.
- Den Gesprächspartner nicht überfordern. Langes, konzentriertes Zuhören ermüdet.
Verstehen erleichtern
Ob mit oder ohne Hörminderung: Wenn man folgende Tipps beherzigt, fällt Zuhören und Verstehen leichter:
- Die Umgebung sollte möglichst ruhig sein.
- Deutlich und nicht zu schnell sprechen, kurze Sätze verwenden.
- Es hilft, wenn man den Gesprächspartner beim Sprechen gut sehen kann, um unterstützend auch von den Lippen ablesen zu können.
- Beim Sprechen den Mund nicht mit der Hand verdecken. Auch Kaugummi oder Zigarette im Mund erschweren das Zuhören und Verstehen.
Ihr eigenes Gehör lässt nach?
Hören Sie selbst nicht mehr gut, sollten Sie Ihre Gesprächspartner darauf hinweisen. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Das mag lästig erscheinen, ist aber besser, als den Eindruck zu erwecken, man hätte alles verstanden.
Werden Gespräche als anstrengend empfunden oder kommt es immer wieder zu Missverständnissen, liegt es vielleicht an "nuschelnden" Zeitgenossen - es kann aber auch am eigenen nachlassenden Gehör liegen. Ein kostenloser Hörtest sorgt hier für Klarheit. Bei einer Hörminderung können meist Hörsysteme helfen, die der Hörgeräte-Akustiker exakt an das individuelle Hörproblem anpasst. Mit Spracherkennungsprogrammen, die die Sprache hervorheben und Nebengeräusche absenken, verhelfen diese Mini-Computer zu besserem Hören und Verstehen; Richtmikrofone in Hörsystemen machen es einfacher, sich auf einzelne Stimmen zu konzentrieren und tragen dazu bei, dass Kommunikation ohne Missverständnisse wieder möglich ist.
Informationen rund um das Thema Hören finden Sie unter www.fgh-gutes-hoeren.de
Individuelle Fragen beantwortet das Beratungstelefon der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH). Jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr stehen Hörgeräte-Akustiker (0800 - 0112 112) und HNO-Ärzte (0800 - 0112 113) für die Beratung am Telefon bereit. Die Anrufe sind gebührenfrei. Die FGH bietet das Beratungstelefon gemeinsam mit dem Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte und dem Deutschen Grünen Kreuz an.
